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Symptome – Behandlung, Ursachen & Vorbeugung

Schilddrüsenunterfunktion

Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse

Ultraschall-Untersuchung der Schilddrüse
Foto: Alexander Raths | Shutterstock

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Als Schilddrüsenunterfunktion (med. Hypothyreose) wird ein Mangel an Schilddrüsenhormonen im menschlichen Körper bezeichnet, der infolge von Funktionseinschränkungen der Schilddrüse entsteht. Man geht davon aus, dass in Deutschland etwa 2 Prozent der erwachsenen Frauen und 0,1 – 0,2 Prozent der erwachsenen Männer unter einer Hypothyreose leiden.1

ICD-10: E00 Angeborenes Jodmangelsyndrom, E03 Sonstige Hypothyreose, E89.0 Hypothyreose nach medizinischen Maßnahmen Ärztliche Anlaufstellen: Hausarzt, Endokrinologe, Nuklearmediziner

Lesezeit: 6 Minuten

Schilddrüsenunterfunktion Symptome

Die Schilddrüse ist ein lebenswichtiges Organ im menschlichen Körper. Sie produziert und speichert die Schilddrüsenhormone. Funktioniert die Schilddrüse nicht mehr regelgerecht, hat das erhebliche Auswirkungen auf den Organismus.

Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
chronische Müdigkeit
Mattheit
Antriebslosigkeit
schnelle Erschöpfung
unerklärliche Gewichtszunahme
trockenes, stumpfes Haar
Haarausfall
niedriger Puls
geschwollene Augenlider, Beine und Arme
häufiges Frieren
Zyklusstörungen
Heiserkeit
Verstopfung
Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren
Gedächtnisstörungen
Bluthochdruck
Herzrasen
depressive Stimmung
Angstanfälle
Gereiztheit
Blähungen
Libidoverlust
Kribbeln in Händen und Armen
Tinnitus
Nachtschweiß
Verspannungen und Schmerzen im Nacken
brüchige Fingernägel
Schwellung der Nasenschleimhaut
Schwindel
Muskelschwäche
Sehstörungen
trockene Augen
erhöhte Leberwerte
Schlafstörungen
Kloß im Hals, Fremdkörpergefühl
plötzlich tiefere Stimme
hohe Cholesterinwerte
Fruchtbarkeitsstörungen
schlechte Wundheilung
Infektanfälligkeit

Eine Schilddrüsenunterfunktion bemerken die meisten Betroffenen erst spät, da erst mit zunehmendem Krankheitsverlauf ausgeprägte Symptome auftreten. Am häufigsten werden die Betroffenen von Antriebslosigkeit, Müdigkeit und geminderter Leistungsfähigkeit geplagt. Bei jungen Frauen kann es auch zu Zyklusstörungen und zur Unfruchtbarkeit kommen.

Weitere Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sind Haarausfall, eine Schwellung der Augenlider, ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut, brüchige Nägel, trockene und schuppende Haut sowie eine raue Stimme. Auch fehlende sexuelle Lust, Muskelschmerzen, Schwindelgefühle, niedriger Blutdruck, Blähungen und Völlegefühl sowie Bauchschmerzen und Übelkeit können Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein.

Auch psychisch kann sich eine Unterfunktion bemerkbar machen. Gereiztheit, Konzentrationsstörungen und Angstzustände sowie Depressionen sind dafür symptomatisch.

Bei schweren Formen der Schilddrüsenunterfunktion, kann es zu einem langsamen Puls, kaum vernehmbaren Herztönen, sehr niedriger Körpertemperatur und geringem Blutdruck sowie Bewusstlosigkeit kommt. Ein derart schwerer Krankheitsverlauf ist allerdings sehr selten.

Schilddrüsenunterfunktion Ursachen

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann verschiedene Ursachen haben. Neben einer Entzündung und einer Autoimmunerkrankung ist Jodmangel eine häufige Ursache. Zur Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt die Schilddrüse Jod, das sich in der menschlichen Nahrung findet. Wird zu wenig Jod aufgenommen, regt das Gehirn die Schilddrüse trotzdem zur Produktion von Schilddrüsenhormonen an. Das führt zu einer vergrößerten Schilddrüse und kann schließlich in einer dauerhaften Schilddrüsenunterfunktion resultieren.

Die Schilddrüsenhormone beeinflussen den gesamten Stoffwechsel des menschlichen Körpers. Daneben wirken sie sich auf das Herz und die Muskulatur aus. In der Regel sind bei einer Störung der Schilddrüsenhormonproduktion mehrere Körperfunktionen betroffen. Bei einer Schilddrüsenunterfunktion entsteht eine Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen.

Lage der Schilddrüse im menschlichen Körper

Lage der Schilddrüse im menschlichen Körper
Foto: Sebastian Kaulitzki | Shutterstock

Es sind mehrere Arten der Hypothyreose zu unterscheiden.

Primäre Schilddrüsenunterfunktion

Eine primäre Schilddrüsenunterfunktion entsteht an der Schilddrüse selbst. Hierfür können Jodmangel, eine Schilddrüsenoperation oder aber auch Medikamente, die die Schilddrüsenfunktion hemmen, verantwortlich sein.

Sekundäre Schilddrüsenunterfunktion

Bei der sekundären Schilddrüsenunterfunktion liegt ein Mangel des Schilddrüsensteuerhormons TSH vor.

Tertiäre Schilddrüsenunterfunktion

Auch eine gestörte Kommunikation zwischen den Steuerungsgebieten im Gehirn kann für eine Schilddrüsenunterfunktion verantwortlich sein. Dabei handelt es sich um eine tertiäre Schilddrüsenunterfunktion, die allerdings relativ selten ist.

Angeborene Schilddrüsenunterfunktion

Daneben gibt es auch eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion, für die eine fehlende oder nicht ausreichend ausgeprägte Schilddrüse ursächlich ist.

Diagnose

Um die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion sicher zu erstellen, wird der Arzt mehrere Untersuchungen am Patienten vornehmen. In einem Gespräch (Anamnese) wird der Mediziner den Patienten über Beschwerden und eventuelle Vorerkrankungen befragen.

Dann erfolgt eine äußerliche Untersuchung des Patienten. Weiterhin können eine Blutanalyse sowie eine Ultraschalluntersuchung notwendig sein.

Eine weitere Untersuchungsmöglichkeit ist die Szintigrafie. Hierfür muss der Patient ein radioaktives Mittel einnehmen, das sich in der Schilddrüse ansammelt und Strahlung abgibt. Auf Basis dieser Strahlung wird eine Aufnahme der Schilddrüse erstellt.

Auch eine Probeentnahme (Biopsie) aus der Schilddrüse ist unter Umständen erforderlich.

Behandlung

Die Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion dauert in der Regel zwar sehr lange, die Erkrankung gilt jedoch als verhältnismäßig gut therapierbar.

Die Behandlung erfolgt medikamentös, durch eine Operation oder mit einer Radiojodtherapie. Entscheidend für die Wahl der Behandlungsmethode ist die Art der Schilddrüsenunterfunktion.

Die Behandlung zielt darauf ab, dem Körper eine ausreichende Menge an Schilddrüsenhormonen zur Verfügung zu stellen. Dazu kann es ggf. auch erforderlich sein, dem Patienten lebenslang Schilddrüsenhormone zu verabreichen.

Vorbeugung

Entscheidend für eine effektive Vorbeugung gegen eine Schilddrüsenunterfunktion ist die ausreichende Aufnahme von Jod – idealerweise über die natürliche Nahrung. Nur so kann die Schilddrüse auch die wichtigen Schilddrüsenhormone produzieren. Der menschliche Körper benötigt täglich ca. 200 µg Jod. Empfehlenswert sind beispielsweise die Verwendung von jodiertem Speisesalz sowie die Zufuhr besonders jodreicher Nahrungsmittel – wie etwa Seefisch.

Besonders schwangere Frauen sollten auf eine ausreichende Jodzufuhr achten. Jodmangel kann nämlich zu einer körperlichen und geistigen Unterentwicklung des Kindes führen.

Leben mit einer Schilddrüsenunterfunktion

Schilddrüsenerkrankungen zählen mit zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen. Frauen sind deutlich häufiger betroffen. Grundsätzlich ist eine Schilddrüsenunterfunktion sehr gut therapierbar und dauerhafte Einschränkungen im täglichen Leben sind selten.

Selbst die lebenslange Einnahme von Medikamenten wird von den meisten Betroffenen nicht als große Einschränkung empfunden, da Nebenwirkungen relativ selten auftreten. Die Tabletten der medikamentösen Therapie enthalten lediglich die fehlenden Schilddrüsenhormone.


Medizinjournalist


Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.


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Quellen und weiterführende Literatur

  • Hypothyreose – Krankheiten des endokrinen Systems – Autoren: Wolfgang Piper – Publikation: Innere Medizin S. 534 – 537 – DOI: 10.1007/978-3-642-33108-4_6
  • Physiologie und Pathophysiologie der Schilddrüse – Autoren: Zimmermann, Martina – Publikation: Pharmazie in unserer Zeit, 2012-09, Vol.41 (5), p.390-394 – DOI: 10.1002/pauz.201200485
  • Einfluss der Schilddrüsenfunktion auf das Körpergewicht – Autoren: Wiedemann, R; Börner, U; Wiedemann, P.-I; – Publikation: Aktuelle Ernährungsmedizin, 2015-04, Vol.40 (2), p.98-103 – DOI: 10.1055/s-0034-1387607
  • Hypothyreose – Autoren: Woenckhaus, U – Publikation: Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie in der Inneren Medizin, 2018, p.368-369 – DOI: 10.1016/B978-3-437-42502-8.00179-0
  • Hypothyreose – wann und wie behandeln? – Autoren: Koehler, V. F ; Reincke, M ; Spitzweg, C – Publikation: Der Internist (Berlin), 2018-06-05, Vol.59 (7), p.644-653 – DOI: 10.1007/s00108-018-0438-x
  • Hypothyreose: Langfristige Gesundheit bei unterschiedlichen TSH-Konzentrationen – Publikation: Deutsche medizinische Wochenschrift, 2020-02, Vol.145 (4), p.214-216 – DOI: 10.1055/a-1033-4940
  • Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion: Gynäkologische Aspekte – Autoren: Cordes, T ; Tillmann, J ; Kamischke, A – Publikation: Gynäkologische Endokrinologie, 2009-11, Vol.7 (4), p.247-252 – DOI: 10.1007/s10304-009-0306-9
  • Endokrionologie. Erhöhtes Fehlgeburtsrisiko auch bei subklinischer Schilddrüsenunterfunktion – Autoren: Schatz, H – Publikation: Geburtshilfe und Frauenheilkunde, 2011-07, Vol.71 (7), p.614-614 – DOI: 10.1055/s-0031-1280138
  • Jodversorgung in Deutschland – Autoren: Losch, D – Publikation: Zentralblatt für Arbeitsmedizin, Arbeitsschutz und Ergonomie, 2016-05, Vol.66 (3), p.159-160 – DOI: 10.1007/s40664-016-0096-6
Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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