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Geschwollene Lymphknoten am Hals ▷ Was tun? Was steckt dahinter?

Lage der Lymphknoten am Hals

Lage der Lymphknoten an Hals und Kopf (Foto: JL-art | Shutterstock)

Warum schnellen Lymphknoten am Hals an?

Lymphknotenschwellungen am Hals sind relativ häufig. Nur selten stecken ernsthafte Erkrankungen dahinter. Eine typische Ursache für geschwollene Halslymphknoten sind Infektionen der oberen Atemwege. Gesunde Lymphknoten am Hals haben einen Durchmesser von 0,5 – 1,0 Zentimetern.


ICD-10: R59 Lymphknotenvergrößerung Fachbegriff: Lymphadenopathie Ärztliche Anlaufstellen: Kinderarzt, Hausarzt, Allgemeinmediziner

Lesezeit: 5 Minuten

Noch verschlafen am Morgen beim ersten Blick in den Badezimmerspiegel – und plötzlich sitzt der Schreck tief. Der Hals tut weh, die Lymphknoten sind geschwollen. Die beißenden Fragen, die sich sofort auftun: Bin ich krank? Steckt etwas Ernsthaftes dahinter? Oder reagiere ich nur hypochondrisch? Keine Angst! Nur selten steckt hinter geschwollenen Lymphknoten eine ernsthafte Erkrankung.

Lapidarinfekte sind die häufigste Ursache für die Schwellung. Nur bei etwa einem Prozent der Betroffenen lässt sich eine ernsthafte Erkrankung diagnostizieren. Also Ruhe bewahren, duschen und in manchen Fällen auf, zum Arzt.

Die Ursachen von geschwollenen Lymphknoten

In unserem gesamten Körper sind Lymphknoten verteilt: in den Achselhöhlen und Leistenbeugen, am Becken, Nacken, in der Brust, Bauch und eben am Hals. Das Lymphsystem ist die „Gesundheitspolizei“ des menschlichen Körpers und zeigt mit einer Schwellung der Lymphknoten an, dass etwas im Organismus nicht stimmt. (Wächterfunktion) Das Immunsystem nutzt die Lymphknoten als Sammelstelle. Hier werden die Krankheitserreger bekämpft, die uns krank machen. Sie schwellen häufig an, wenn sich ein Infekt in der Nähe des Knotens ausbreitet.

Einfache Infekte und Kinderkrankheiten

Hinter der Schwellung der Lymphknoten am Hals steckt in den meisten Fällen eine einfachere Erkrankung: Erkältung, Mandelentzündung, andere Entzündungen im Mundraum, wie entzündete Zähne oder auch Kinderkrankheiten, wie Röteln oder Masern sind in den häufigsten Fällen die Ursache. Die geschwollenen Lymphknoten werden meist von anderen Symptomen begleitet – etwa Schluckbeschwerden, Halsschmerzen, Fieber.

Geschlechtskrankheiten und Krebs

Schwerwiegender sind andere Infektionen, die jedoch deutlich seltener auftreten: Das pfeiffersche Drüsenfieber ist eine typische Krankheit, die geschwollene Lymphknoten am Hals hervorruft. Mit der sogenannten „Kuss-Krankheit“ (über den Speichel übertragen) infizieren sich vorwiegend junge Erwachsene.

Auch HIV bzw. AIDS kommen als Ursache für geschwollene Lymphknoten infrage. Diphtherie, Syphilis oder Tuberkulose zählen ebenfalls zu den möglichen Auslösern.

In seltenen Fällen können verschiedene Krebserkrankungen hinter einer Lymphknotenschwellung stehen. Ärzte ziehen diese Verdachtsdiagnose dann in Betracht, wenn Lymphknoten über einen längeren Zeitraum ohne erkennbare Ursache geschwollen sind. Oder der Lymphknotenschwellung eine bereits bekannte Krebserkrankung vorangegangen ist.

Liste der möglichen Ursachen für geschwollene Lymphknoten am Hals

Die Bandbreite der möglichen Erkrankungen, die als Ursache für eine Schwellung der Halslymphknoten infrage kommen, ist groß:

  • Erkältung (virale Infektion der oberen Atemwege)
  • Mandelentzündung (Angina)
  • Grippe (Influenza)
  • Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
  • Zahnwurzelentzündung
  • Röteln
  • Masern
  • Borreliose
  • pfeiffersches Drüsenfieber (Kuss-Krankheit)
  • HIV / AIDS
  • Diphtherie
  • Syphilis
  • Sarkoidose (Morbus Boeck)
  • Tuberkulose
  • verschiedene Krebserkrankungen

Geschwollene Lymphknoten am Hals – das sollte man tun

Lymphknoten am Hals geschwollen

Lymphknoten am Hals geschwollen
Foto: Image Point Fr | Shutterstock

Zunächst ist es wichtig, die Ruhe zu bewahren. Nicht immer muss gleich der Weg zum Arzt angetreten werden. Wird die Schwellung von Fieber, Schnupfen und/oder Halsschmerzen begleitet, liegt die Ursache auf der Hand: eine Erkältung – eine harmlose Infektion, die sich mit ein wenig Bettruhe sehr gut behandeln lässt.

Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn keine weiteren Begleiterscheinungen auftreten oder die Schwellung nur einseitig auftritt. Manchmal stecken auch die Zähne dahinter, ohne dass es der Betroffene bemerkt. In anderen Fällen werden chronische Mandelentzündungen diagnostiziert, die keine weiteren Symptome auslösten.

Ein echtes Warnsignal sind lang anhaltende Schwellungen der Lymphknoten, die mit Gewichtsverlust, Schwäche- und Krankheitsgefühl einhergehen. In diesem Fall ist ein Arztbesuch drigend angezeigt.

Diagnostik: Das macht der Arzt

Der Arzt wird zunächst überprüfen, ob es sich wirklich um die Lymphknoten handelt, die geschwollen sind. Nach der äußerlichen Untersuchung und Befragung kann er meist schon eine Diagnose stellen oder wird weitere Untersuchungen anordnen: Blutbild, Ultraschall oder bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomografie. Ist dann immer noch keine Diagnose möglich, werden Gewebeproben (Biopsie) entnommen und histologisch untersucht.

Behandlungsversuch mit Antibiotika

Bei unklaren Befunden wird zunächst auch oft eine Therapie mit Antibiotika versucht. Vermutet der Arzt eine lokale Infektion als Ursache der Lymphknotenschwellung wird er möglicherweise ein Breitbandantibiotikum verordnen und den Knoten nach einer Woche erneut begutachten.

Lage und Bezeichnung der Lymphknoten am Hals

Anatomie: Lage der Lymphknoten am Hals

Anatomie: Lage der Lymphknoten am Hals Foto: Artemida-psy | Shutterstock

Es gibt zahlreiche Lymphknoten in der Halsregion. Sie werden nach ihrer anatomischen Lage bezeichnet:

Englisch Deutsche Bezeichnung
parotid lymph node Ohrspeicheldrüsenlymphknoten
tonsillar lymph node Mandellymphknoten, Tonsillenlymphknoten
preauricular lymph node präaurikulärer (vor dem Ohr) Lymphknoten
posterior ear lymph node hinterer Ohrlymphknoten
occipital lymph node okzipitaler Lymphknoten, Hinterhauptlymphknoten
superficial cervical lymph node oberflächlicher zervikaler Lymphknoten, oberflächliche Halslymphknoten
posterior cervical lymph node hinterer zervikaler Lymphknoten, hinterer Halslymphknoten
chin lymph node Kinnlymphknoten
submandibular lymph node submandibulärer Lymphknoten, Unterzungenlymphknoten
deep cervical lymph node tiefer zervikaler Lymphknoten, tiefer Halslymphknoten
supraclavicular lymph node supraklavikulärer Lymphknoten, Lymphknoten oberhalb des Schlüsselbeins

Typische Körperstellen für Lymphknotenschwellungen

Lage der Lymphknoten im menschlichen Körper

Lage der Lymphknoten im menschlichen Körper
Foto: Alila Medical Media | Shutterstock

KörperstelleBeschreibung
Achselnhäufig, z.B. bei allgemeinen Infekten
Armeher selten, in den Armbeugen, z.B. lokale Infektionen
Baucheher selten, schwer ertastbar
Halshäufig, z.B. bei Infekten im Mundraum (Zähne, Kiefer)
Kniekehleneher selten, z.B. lokale Infektionen
Leistehäufig, z.B. bei Harnwegsinfekten

Fachbegriffe

Begriff Bedeutung
Lymphadenitis reaktive Lymphknotenschwellung in Folge einer akuten und chronischen Infektion
Lymphadenopathie Schwellung der Lymphknoten
Wächterlymphknoten / Sentinellymphknoten In der Krebstherapie untersucht man Lymphknoten in der Nähe des Tumors auf Tumorzellen, um festzustellen, ob der Krebs bereits gestreut hat.

 

Wichtig: Tritt eine Lymphknotenschwellung länger als drei Wochen auf, sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Dann ist es wichtig, die Ursache herauszufinden, die unsere „Gesundheitspolizei“ so lange Alarm schlagen lässt.


Medizinjournalist


Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.


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Quellen

  • Lymphknoten – Bubendorf, Lukas ; Feichter, Georg E ; Obermann, Ellen C ; Dalquen, Peter Klöppel, Günter (Editor) ; Kreipe, Hans H (Editor) ; Remmele, Wolfgang (Editor) 2011 – Dritte, neubearbeitete Auflage – Pathologie: Zytopathologie, pp.477-527 – DOI: 10.1007/978-3-642-04562-2_24
  • Infektion oder malignes Geschehen? : Geschwollener Lymphknoten – Dietzfelbinger, Hermann – MMW Fortschritte der Medizin, August 2010, Vol.152(36), pp.27-9 – DOI: 10.1007/BF03366970
  • 4.3 Lymphbahnen und Lymphknoten. In Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. – Stuttgart: Georg Thieme Verlag. – 4. Auflage – DOI: 10.1055/b-0036-131178
Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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