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Symptome, Stadien, Risikofaktoren
Pseudokrupp

Pseudokrupp

Pseudokrupp – Schematische Darstellung (Abb.: joshya | Shutterstock)

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp ist eine spezielle Form der Kehlkopfentzündung, die im Kleinkindalter auftritt und mit einer Einengung des Luftweges einhergeht. Da der Luftweg in Luftröhre und Kehlkopf bei kleinen Kindern noch besonders eng ist, wirkt sich eine Schwellung der auskleidenden Schleimhäute stärker aus als etwa bei Erwachsenen.

Pseudokrupp gehört zu den Kinderkrankheiten. Ihren Namen verdankt die Erkrankung der Diphtherie, die früher auch „Krupp“ genannt wurde und ähnliche Symptome zeigte. Die in ihrem Verlauf viel dramatischere Erkrankung wurde durch Schutzimpfungen erfolgreich zurückgedrängt.

Pseudokrupp tritt meist in den Wintermonaten und im Nachgang eines viralen Infekts auf. Die Symptomatik – vor allem bellender Husten und Atemgeräuschen – tritt meist in den Nachtstunden auf.

Lesezeit: 6 Minuten

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Symptome

  • Atemgeräusche – vor allem beim Einatmen
  • Husten – bellend, blechern
  • Stimme – kloßig, kehlig, heiser
  • leichtes Fieber
  • Atemnot
  • Schluckbeschwerden

Die Symptome treten meisten plötzlich auf – vor allem in den Nachtstunden

Stadien / Grade des Pseudokrupps

PhaseBeschreibung
Grad Ibellender Husten, eventuell Heiserkeit und leises Atemgeräusch bei Aufregung
Grad IIAtemgeräusch auch in Ruhe, angestrengte Atmung
Grad IIIUnruhe, beschleunigter Puls, beschleunigte Atmung, Atemnot
Grad IVakute Atemnot, Blaufärbung der Haut, Lippen und Finger, Benommenheit, Erstickungsgefahr

Das Atemgeräusch bei Pseudokrupp tritt vor allem beim Einatmen auf. (med. Bezeichnung: Stidor)

Typische Anzeichen für Atemnot

  • Haut zwischen den Rippen zieht sich beim Atmen ein
  • Nasenflügel flattern mit der Atmung
  • starke Atemgeräusche
  • blasse Haut
  • blaue Lippen
  • beschleunigte Atmung (Hyperventilation)
Parainfluenza Virus

Parainfluenza Virus – häufigster Auslöser von Pseudokrupp
Abb.: Kateryna Kon | Shutterstock

Pseudokrupp auslösende Erreger

Typische Auslöser von Pseudokrupp:

  • Parainfluenza (häufigster Pseudokrupp-Erreger)
  • Influenza A
  • Respiratory Syncytial Viren
  • Adenoviren
  • ECHO-Viren
  • Röteln
  • Masern

Seltener wird Pseudokrupp durch Bakterien wie Staphylokokken oder Haemophilus Influenzae Typ B ausgelöst.

Warum bekommen nur Kinder Pseudokrupp?

Bei Kindern beträgt der Durchmesser des Atemwegs nur etwa 7-9 Millimeter. Eine Schwellung von einem Millimeter vervielfacht den Atemwiderstand um den Faktor 16. Erwachsene verfügen über eine deutlich größere Luftröhre mit einem Durchmesser von etwa 17-19 Millimetern. Eine Schwellung von einem Millimeter lässt den Atemwiderstand nur um den Faktor 3 ansteigen. Bei älteren Kindern und Erwachsenen tritt – aufgrund der günstigeren Anatomie – meist keine spürbare Atembehinderung auf.

Was tun?

Sofortmaßnahmen: Wichtig ist, dass Sie nicht in Panik verfallen. Versuchen Sie, Ruhe auszustrahlen und damit auch ihr Kind zu beruhigen. Aufregung verschlimmert die Symptomatik.

Richten Sie Ihr Kind auf. Im Stehen oder Sitzen bessern sich die Beschwerden meist gegenüber dem Liegen.

Ziehen Sie Ihr Kind an oder packen Sie es warm ein und gehen Sie ins Freie. Die frische, kalte Luft bewirkt meist eine deutliche Besserung der Beschwerden, weil sie die Schleimhäute abschwellen lässt. Ist aus bestimmten Gründen ein Aufenthalt im Freien nicht möglich, kann auch das Atmen an der offenen Kühlschranktür helfen.

Tritt nach 15-30 Minuten keine Besserung ein, kann ein sogenanntes „Notfallzäpfchen“ zum Einsatz kommen. Das enthält Kortison und bewirkt eine schnelle Symptombesserung. Ist kein Notfallzäpfchen verfügbar, hilft nur der sofortige Gang zum Arzt oder zur Klinik.

Hinweis: Akute Atemnot ist ein medizinischer Notfall. Rufen Sie sofort die 112 an.

Risikofaktoren

Folgende Einflussfaktoren erhöhen das Risiko, an Pseudokrupp zu erkranken:

  • Witterung – feuchtkaltes Wetter begünstigt die Entstehung eines Pseudokrupps
  • Saison – im Herbst und Winter häufen sich die Pseudokrupp-Erkrankungen
  • Luftverschmutzung – Schadstoffe in der Luft erhöhen das Risiko für Pseudokrupp
  • Tierhaare – erhöhen das Risiko vermutlich nur gering
  • Hausstaub – offenbar auch hier nur eine geringe Risikoerhöhung
  • Schreien – eine hohe Belastung der Stimme kann Pseudokrupp begünstigen

Diagnose – Was macht der Arzt?

Der Arzt wird Sie zunächst über die Beschwerden befragen, um die möglichen Erkrankungen einzugrenzen. (Anamnese) Es ist hilfreich, wenn sie die aufgetretenen Symptome und ihre zeitliche Einordnung vorab notieren.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird der Arzt den Rachen und die Ohren inspizieren und das Kind abhören, um Auffälligkeiten bei Atmung und Herzschlag zu identifizieren. Eventuell wird er ihr Kind bitten, zu husten.

Ist die Diagnose auf diesem Wege nicht sicherzustellen, kann der Arzt eine Röntgenaufnahme anordnen, um andere Indikationen – wie etwa das Einatmen von Fremdkörpern – auszuschließen.

Behandlung

Inhalation

Pseudokrupp: Ärzte können Inhalationen einsetzen, um den Atemwiderstand zu verringern
Foto: Lapina | Shutterstock

Neben den oben skizzierten Sofortmaßnahmen (frische Luft, Kortison) kann der Arzt spezielle Inhalationen durchführen. Diese enthalten Adrenalin oder Epinephrin und sorgen für eine Atemerleichterung innerhalb weniger Minuten.

Zusätzlich kann direkt Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben werden. Eine Intubation (künstliche Beatmung über einen Schlauch) ist nur sehr selten nötig.

Prognose & Heilungschancen

In den allermeisten Fällen heilt ein Pseudokrupp innerhalb weniger Tage bis einer Woche folgenlos aus. Rückfälle sind durch erneute Virusinfekte möglich. Generell nimmt die Neigung zum Pseudokrupp mit dem Alter ab. Fälle bei Kindern, die älter als 5 Jahre sind, sind selten.

Tipp & Vorbeugung

Um das Anschwellen der Schleimhaut des Kehlkopfes zu mindern, empfehlen viele Kinderärzte eine Schlaftemperatur von unter 16 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von 50 bis 60 Prozent. Allerdings gibt es für die Wirksamkeit dieser Maßnahmen keine Evidenz.


Medizinjournalist


Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.


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Quellen

  • ICD-10: J38.5 Laryngospasmus (Pseudokrupp)
  • Ärztliche Anlaufstellen: Kinderarzt
  • Kindernotfälle : Teil 2: Pseudokrupp, Epiglottitis und Asthmaanfall – Böhm, Ruwen, Meybohm, Patrick – Notfallmedizin up2date, 2012, Vol.7(2), pp.90-92 – DOI: 10.1055/s-0031-1298554
  • Zusammenhänge zwischen Luftschadstoffen und Pseudokrupp bei Kindern : eine Studie über die Literatur der Jahre 1965 – 1982 – Irmgard-Maria Hein 1984 – München, Techn. Univ., Diss., 1984
  • Luftbefeuchtung bei Pseudokrupp – kein Effekt! – Kerbl, R. ; Zotter, H. ; Eber, E. – Monatsschrift Kinderheilkunde, 2006, Vol.154(10), pp.996-997 – DOI: 10.1007/s00112-006-1410-8
  • Krupp (Pseudokrupp) – Darai, Gholamreza (Editor) ; Handermann, Michaela (Editor) ; Sonntag, Hans-Günther (Editor) ; Tidona, Christian A (Editor) ; Zöller, Lothar (Editor) 2009 – 3., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage – Lexikon der Infektionskrankheiten des Menschen: Erreger, Symptome, Diagnose, Therapie und Prophylaxe, pp.463-463 – DOI: 10.1007/978-3-540-39026-8_582
  • Einfluss verschiedener Wetterparameter auf die Häufigkeit von stationär behandelten Kindern mit stenosierender Laryngotracheitis (Pseudokrupp). Effect of various weather parameters on the incidence of inpatient treated children with stenosing laryngotracheitis (pseudocroup) – Schweizer, E ; Weber, G ; Severien, C ; Mietens, C – Monatsschrift Kinderheilkunde : Organ der Deutschen Gesellschaft fur Kinderheilkunde, August 1988, Vol.136(8), pp.453-8 – PMID: 3265483
  • Body build–is it a factor in acute subglottic laryngitis? – Chmielik M, Debska M, Partyka M, Arcimowicz M, Chmielik LP, Jakubczyk I, Wachulski B. – Int J Pediatr Otorhinolaryngol. 1997 Jun 20;40(2-3):147-53. – PMID: 9225181DOI: 10.1016/s0165-5876(97)00031-1
  • Acute subglottic laryngitis. Etiology, epidemiology, pathogenesis and clinical picture – Mazurek H, Bręborowicz A, Doniec Z, Emeryk A, Krenke K, Kulus M, Zielnik-Jurkiewicz B – Adv Respir Med. 2019;87(5):308-316. DOI: 10.5603/ARM.2019.0056PMID: 31680234
Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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