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Borderline Syndrom ▷ Ursachen, Symptome und neue Therapien

Borderline Syndrom

Das Borderline Syndrom gehört zu den Persönlichkeitsstörungen Foto: Daniel Beckemeier | Shutterstock

Was ist das Borderline Syndrom?

Das Borderline Syndrom (auch Borderline-Persönlichkeitsstörung / BPS) ist eine emotional instabile Persönlichkeitsstörung. Zur typischen Symptomatik von Borderline gehören schnelle Stimmungswechsel, hohe Impulsivität und ein wechselhaftes Selbstbild, das auf eine gestörte Selbstwahrnehmung zurückgeht. Betroffene neigen zu selbstschädigendem Verhalten, instabilen Beziehungen und Lebensverhältnissen sowie Verlustängsten.

Borderliner leiden häufig unter weiteren psychischen Störungen wie Depressionen, ADHS, Angststörungen und Essstörungen.

ICD-10: F60.31 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Borderline-Typ

Ärztliche Anlaufstellen: Hausarzt, Allgemeinmediziner, Psychiater, Psychotherapeuten

Lesezeit: 5 Minuten

Neben psychischen Störungen, die sich im Laufe des Lebens entwickeln, können auch Persönlichkeitsstörungen auftreten, die schon seit der frühen Jugend das Erleben und Verhalten der Betroffenen prägen. Insbesondere die Borderline-Persönlichkeit ist eine sehr bekannte Abweichung vom normativen Verhalten, die für Betroffene mit deutlichen Einschränkungen einhergehen kann. Ein neues Training setzt vorrangig an den Ressourcen an, die Patienten zur Verfügung stehen und zielt darauf ab, diese konsequent und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen.

Ursachen der Borderline-Störung

Die Persönlichkeitsstörung hat ihre Ursache meist in traumatischen Erfahrungen, mit denen die Betroffenen in der Kindheit konfrontiert wurden.

Das können etwa Gewalterfahrungen sein oder auch eine deutliche Vernachlässigung durch die Eltern bzw. durch wesentliche Bezugspersonen. Kinder, die so aufwachsen, haben zwar einerseits das Bedürfnis, den Kontakt zu den Eltern zu erhalten und deren Zuneigung zu gewinnen – da sonst keine Betreuungspersonen vorhanden sind – sie werden aber andererseits immer wieder zurückgewiesen und dadurch in ihrem Bindungsverhalten massiv gestört. Nicht immer müssen sich aber in der Vorgeschichte entsprechende Auffälligkeiten finden. Manche Patienten weisen eine Kindheit und Jugend auf, in der sich keine verursachenden Faktoren finden lassen.

Borderline Symptome

Symptomatisch zeigt sich die Borderline-Persönlichkeitsstörung in sehr wechselhaftem Verhalten. Betroffene neigen dazu, andere Personen zunächst zu idealisieren, diese aber ebenso abzuwerten, wenn sie sich nicht wie gewünscht verhalten. Das führt zu einer hohen Impulsivität und für das soziale Umfeld nicht vorhersehbaren, teils aggressiven oder autoaggressiven Reaktionen.

Zudem erleben Borderline-Patienten oft ein Gefühl innerer Leere; sie haben den Eindruck, Emotionen nicht richtig wahrnehmen zu können oder andererseits auch starke Anspannungen und Wut zu empfinden. Diese Anspannungen führen dazu, dass Betroffene sich selbst verletzen, um eine Reduktion der inneren Spannungen zu erreichen bzw. aus der gefühlten Leere ausbrechen zu können.

Behandlung der Borderline-Störung

Therapeutisch ist die Symptomatik sehr komplex, da das widersprüchliche Verhalten der Betroffenen und deren häufiges Überforderungserleben eine Intervention erschwert.

Viele Therapien sind daher vor allem auf ein stationäres Umfeld spezialisiert, d.h. die Patienten werden in Psychiatrien oder Tageskliniken betreut. Die Forscher Martin Bohus und Martina Wolf haben hingegen ein neues Skills-Training entwickelt, welches sich auch ambulant umsetzen lässt.

Skills sind individuelle Fähigkeiten oder Ressourcen, die zur Spannungsreduktion verwendet werden können. Ziel der Therapie ist es, zunächst verschiedene Stadien der Anspannung zu unterscheiden, etwa eine nur leichte Unruhe, ein ansteigendes Stressempfinden und einen Zustand, der vielleicht kaum noch erträglich ist und normalerweise zu selbstverletzendem Verhalten führen würde.

Wenn bereits bei geringer innerer Spannung entgegengewirkt wird, dann kann ein Ansteigen der Unruhe verhindert werden, sodass Auto-Aggressionen abnehmen. Daher lernen Patienten in der Therapie, schon geringe Spannungen wahrzunehmen und verschiedene Maßnahmen zur Reduktion dieser unangenehmen Empfindungen einzusetzen. Das können Bewegungsübungen, Entspannungstrainings oder auch das Zufügen nur leichter (ungefährlicher) Schmerzreize sein (z.B. ein Band gegen den Arm schnipsen).

Das Skills-Training ermöglicht daher eine erhöhte Selbst-Sensibilität, sodass Betroffene sich nicht plötzlich impulsiv verhalten und für andere unvorhersehbare Auto-Aggressionen zeigen, sondern schon leichte Spannungen wahrnehmen und mit den erlernten Skills ein Aufschaukeln dieser vermeiden können.


Medizinjournalist


Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.


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Quellen und weiterführende Literatur

  • Borderline – die andere Art zu fühlen : Beziehungen verstehen und leben – Autoren: Sendera, Alice, Sendera, Martina – ISBN: 978-3-211-99710-9
  • Mensch – Beziehung – Störung : aktuelle Konzepte zu Borderline und strukturell verwandten Störungen – Autoren: Friedrich Riffer, Elmar Kaiser, Manuel Sprung, Lore Streibl – ISBN: 978-3-662-58639-6
  • Borderline-Mütter und ihre Kinder : Wege zur Bewältigung einer schwierigen Beziehung – Autoren: Lawson, Christine Ann – ISBN: 978-3-89806-256-5
  • Borderline personality disorder – Autoren: Leichsenring, Falk, Prof ; Leibing, Eric, Prof ; Kruse, Johannes, Prof ; New, Antonia S, MD ; Leweke, Frank, Prof – Publikation: The Lancet (British edition), 2011, Vol.377 (9759), p.74-84 – DOI: 10.1016/S0140-6736(10)61422-5
  • Schematherapie bei Borderline-Persönlichkeitsstörung – Autoren: Arntz, Arnoud, Genderen, Hannie van – ISBN: 978-3-621-27746-4
  • Borderline und Psychosen „heilen“ mit Antiepileptika – Autoren: Thomas Müller – Publikation: InFo Neurologie & Psychiatrie volume 19, S. 61–62 (2017) – DOI: 10.1007/s15005-017-2408-6
  • Ein Blick zurück: Zur Geschichte der Borderline- Persönlichkeitsstörung – Autoren: Christian Fleischhaker, Eberhard Schulz – Publikation: Borderline-Persönlichkeitsstörungen im Jugendalter. Manuale psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. – DOI: 10.1007/978-3-540-68287-5_1
  • „Joint Crisis Plans“ für Borderline-Patienten – Autoren: Jutta Stoffers – Publikation: InFo Neurologie & Psychiatrie volume 15, S. 21 (2013) – DOI: 10.1007/s15005-013-0596-2
  • Update Borderline-Störungen – aktueller Stand und Herausforderungen – Autoren: M. Bohus – Publikation: Der Nervenarzt volume 92, S. 641–642 (2021) – DOI: 10.1007/s00115-021-01156-3
  • Behandlung und Prävention von Borderline-Persönlichkeitsstörungen – Autoren: Svenja Taubner – Publikation: Psychotherapeut volume 65, S. 329–330 (2020) – DOI: 10.1007/s00278-020-00449-3
  • Die Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen – Autoren: Jochen Eckert, Birger Dulz, Corinna Makowski – Publikation: Psychotherapeut volume 45, S. 271–285 (2000) – DOI: 10.1007/s002780000107

Lesezeit: 5 Minuten

Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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