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Symptome

Asperger

Asperger

Asperger-Betroffene nehmen die Welt anders wahr, sind meist überdurchschnittlich intelligent
Foto: Kasia Bialasiewicz | Bigstock

Was ist Asperger?

Das Asperger Syndrom ist eine milde Form des Autismus. Im Gegensatz zum stark ausgeprägten Autismus, bei dem die Symptome bei Kleinkindern bereits im Alter von wenigen Monaten offenbar werden, kann das Asperger Syndrom häufig erst ab dem vierten Lebensjahr diagnostiziert werden.

Da die Symptome eher subtil sind, wurde das Krankheitsbild von der Wissenschaft erst spät entdeckt und erforscht. Einen großen Anteil daran hatte der österreichische Kinderarzt Hans Asperger, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erstmals fundierte Erkenntnisse lieferte und der Erkrankung ihren Namen verlieh.


ICD-10: F84.5 Asperger-Syndrom Ärztliche Anlaufstellen: Hausarzt, Allgemeinmediziner, Psychiater

Lesezeit: 6 Minuten

Asperger Symptome

Symptome und Anzeichen des Asperger-Syndroms
gestörte Aufmerksamkeit
eingeschränkte Beziehungsfähigkeit
unangepasstes Verhalten
mangelnde Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen
intensive Hobbys
Introvertiertheit
auffällige Sprache
durchschnittliche oder überdurchschnittliche Intelligenz
Unfähigkeit Mimik, Gestik und Tonalität zu deuten
monotones Sprechen
Vorliebe für Routinen
motorische Probleme
großer Wortschatz
Kontaktschwierigkeiten
Gleichgültigkeit gegenüber der Umgebung
Schadenfreude (strittig, eventuell Fehlinterpretation außergewöhnlichen Verhaltens)

Frühe Anzeichen bei Kleinkindern und Babys

  • frühzeitig einsetzende Sprachentwicklung
  • Neigung zu Wutanfällen
  • kein Wiedererkennen bekannter Personen
  • Desinteresse an Spielzeug
  • keine Reaktion auf Anlächeln
  • Abwehrreaktion beim Hochheben
  • monotones Lallen
  • kein Nachahmen von elterlichen Aktionen
  • auffallend starre Körperhaltung

Vom Asperger Syndrom betroffene Menschen leiden unter starken Schwächen im Bereich der sozialen Interaktion mit ihren Mitmenschen. Sie sind nicht in der Lage, die „Zwischentöne“ menschlicher Kommunikation zu erfassen und auszusenden. Darunter sind bspw. Gestik, Mimik oder Variationen im Sprachverhalten zu verstehen.

Auf andere Menschen wirken sie dadurch häufig ungeschickt und roboterhaft. Da vom Asperger Syndrom betroffene Menschen über einen normalen, oft sogar überdurchschnittlichen Intellekt verfügen, gelingt es ihnen jedoch häufig, ihre Krankheit zu überspielen. Sie werden von ihrer Umwelt daher meistens nicht als Autisten, sondern lediglich als Sonderlinge wahrgenommen.

Leitsymptom: Ausdruck Emotionen

Die Gefühls- und Gedankenwelt von Asperger-Patienten ist anders. Das führt dazu, dass es für sie schwierig ist, sich in die Gefühls- und Gedankenwelt ihrer Mitmenschen hineinzuversetzen. Auf andere wirken sie daher oft introvertiert, werden aber auch als egozentrisch und rücksichtslos wahrgenommen und geraten dadurch schnell in eine soziale Isolation.

Hochbegabung bei Asperger gehäuft

Die Betroffenen sind häufig stark detailorientiert, haben auf der anderen Seite aber große Probleme komplexe Zusammenhänge zu erfassen und richtig einzuordnen. Nicht selten sind vom Asperger Syndrom betroffene Menschen hochbegabt. Sie widmen sich dabei häufig sehr eindimensional einer bestimmten Tätigkeit oder einem Wissensgebiet. In diesen Fällen spricht man von sogenannten Inselbegabungen.

Asperger ist nicht heilbar

Beim Asperger Syndrom handelt es sich um eine Entwicklungsstörung, die nach derzeitigem Stand der Wissenschaft als nicht heilbar angesehen wird. Hinsichtlich der Ursachen, die zur Entstehung des Asperger Syndroms führen, herrscht noch Ungewissheit. Da Asperger gehäuft in bestimmten Familien auftritt, werden neben neurologischen und biochemischen Fehlfunktionen auch genetische Ursachen vermutet.

Was ist der Unterschied zwischen Asperger und Autismus?

Asperger ist eine milde Form des Autismus, bei der es weder zu einer Intelligenzminderung noch zu einer Entwicklungsverzögerung beim Spracherwerb kommt.

Die Abgrenzung verschiedener Autismusformen wird in der Wissenschaft diskutiert. Es steht die Frage, ob die bisherige starre Einteilung in verschiedene Formen dem Charakter des Autismus gerecht wird, dessen Unterschiede eher graduell und kaum kategorisierbar sind.

Berühmte Asperger-Betroffene

  • Greta Thunberg
  • Susan Boyle

Greta Thunberg

Greta Thunberg

Greta Thunberg
Foto: Daniele Cossu | Bigstock

Greta Thunberg geht offen mit ihrem Asperger-Syndrom um. Im Interview mit dem deutschen Fernsehen (ZDF / Aspekte / 10.2.2019) sagte sie:

„Ich denke, wenn ich kein Asperger hätte, wäre das hier nicht möglich gewesen. Ich hätte einfach weiter so gelebt und gedacht, wie jeder Andere auch. Ich sehe die Welt aus einer anderen Perspektive – schwarz und weiß.“

Susan Boyle

Susan Boyle

Susan Boyle
Foto: kathclick | Bigstock

Susan Boyle war froh, als bei ihr Asperger diagnostiziert wurde. Die Sängerin wurde in ihrer Kindheit von Teilen ihres Umfelds wie eine geistig Behinderte behandelt. Man erzählte ihr, sie habe einen Hirnschaden. Später stellte sich heraus, dass sie über einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten verfügt. Sie selbst habe immer gespürt, dass die Einschätzung, sie sei ein bisschen „einfach“ oder „dumm“, falsch war.

„Jetzt habe ich eine genauere Vorstellung davon, was nicht stimmt, und ich fühle mich erleichtert und ein bisschen entspannter mir selbst gegenüber.“

Krankheit oder Besonderheit?

Es wird diskutiert, ob Asperger-Betroffene als „Patienten“ oder „Erkrankte“ und Asperger als „Krankheit“ bezeichnet werden sollten. Im Gegensatz zu vielen anderen angeborenen Erkrankungen ist Asperger eben nicht nur eine Einschränkung.

Die Betroffenen haben in einem Bereich Schwächen, sind in anderen Bereichen den „normalen“ Menschen aber weit überlegen. Vielleicht betrachten wir in einigen hundert Jahren diese genetische Besonderheit als Teil der Weiterentwicklung des Menschen, so wie viele andere zufällige Mutationen zuvor auch.

Quellen

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Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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