Weber B Fraktur - Behandlung, Dauer, Operation, Heilungschancen

Weber B Fraktur
Weber B Fraktur: Erstversorgung mit Gipsverband Foto: Richard Pinder | Bigstock

Was ist eine Weber B Fraktur?

Das obere Sprunggelenk besteht aus drei Knochen. Tibia (Schienbein) und Fibula (Wadenbein) bilden die Gabel, die auf dem Talus (Sprungbein) aufsitzt. Diese Knochen werden durch Bänder gehalten und bilden das Gelenk. Das Band, das das Wadenbein und das Schienbein zusammenhält, ist das Syndesmoseband.

Bei der Weber B Fraktur ist das Wadenbein in der Höhe der Syndesmose gebrochen. Die Syndesmose ist in den meisten Fällen verletzt bzw. gerissen. Das Sprunggelenk ist dadurch nicht mehr stabil und in vielen Fällen sind die Bruchstellen verschoben oder verdreht.


ICD-10: S82 Fraktur des Unterschenkels, einschließlich des oberen Sprunggelenks Ärztliche Anlaufstellen: Orthopäde, Unfallchirurg, Phsysiotherapeut

Lesezeit: 7 Minuten

Behandlung: Wie wird die Weber B Fraktur therapiert?

Da bei einer Weber B Faktur fast immer die Syndesmose in Mitleidenschaft gezogen ist und die meisten Brüche disloziert sind – sich die Bruchstellen also verschoben oder verdreht haben – steht i.d.R. eine Operation an.

Im Rahmen dieser Operation wird die Bruchstelle exakt repositioniert und mit einer Schiene aus Titan oder Chirurgenstahl verschraubt und stabilisiert. Ist die Syndesmose gerissen, wird die Schiene durch eine Stellschraube ergänzt, die als Abstandshalter zwischen Schienbein und Wadenbein fungiert. Dieses Verfahren wird Osteosynthese genannt.

In sehr seltenen Fällen – bei nicht dislozierten Brüchen oder einem nicht operationsfähigen Patienten – kann eine Weber B Fraktur auch konservativ ohne Operation behandelt werden.

Erstversorgung

Gerade am ersten Tag ist man natürlich besonders neugierig und möchte möglichst alles zum weiteren Heilungsverlauf und den anstehenden Behandlungen wissen. Da die Erstversorgung einer Sprunggelenkfraktur / Weber B Fraktur aber meist in der Notaufnahme stattfindet, gibt es selten Gesprächspartner, die sich in epischer Breite dazu äußern wollen.

In der Regel wird das Gelenk zunächst geröntgt und dann durch einen Arzt untersucht. Die Diagnose ist schnell gestellt.

Das Gelenk wird dann meist mit einer Schiene und einem Gipsverband versorgt. Man bekommt Thrombosespritzen (Heparin) und eine Empfehlung, wo man sich zu weiteren Behandlung vorstellen kann. Außerdem bekommt man Unterarmgehilfen (Krücken).

Am ersten Tag wird in aller Regel nicht operiert. Zum einen, weil die Krankheit nicht lebensbedrohlich ist und so keinen Vorrang im OP-Plan hat. Zum anderen ist das Gelenk meist so stark geschwollen, dass man zunächst den Rückgang der Schwellung abwartet. Eine Operation unter Schwellung verschlechtert den Heilungsverlauf und erhöht die Komplikationsrate.

Worüber man sich gleich klar werden muss: Die nächsten 6-8 Wochen werden von eingeschränkter Mobilität bestimmt.

Vor der Operation

Die Zeit vor der Operation besteht vor allem aus HoKü (Hochlegen und Kühlen). Das Kühlpad wird zum festen Begleiter für die nächste Zeit und auch das Hochlegen des Beines wird noch lange zum Tagesprogramm gehören.

Durch die Verletzungen im Bein und die Ruhigstellung ist nämlich der Blutfluss im Bein gestört. Unser Herz sitzt ziemlich hoch im Körper – auch verglichen mit anderen Säugetieren. Im gesunden Zustand hilft die Muskelkontraktion der Beinmuskulatur beim Transport des Blutes. Da diese „Pumpunterstützung“ wegfällt, muss man es dem Kreislauf dadurch erleichtern, dass man den zu überwindenden Höhenunterschied zwischen Bein und Herz reduziert.

Um das Risiko einer Thrombose zu senken, wird bei Weber B Frakturen i.d.R. der Blutgerinnungshemmer Heparin verordnet. Man muss sich die Spritzen selbst setzen. Das ist aber super-einfach. Die Einwegspritzen werden in eine Bauchfettfalte injiziert.

Wozu die Heparin-Spritzen?

Ein Patient, der nicht mobil ist, seine Beine nicht benutzt, hat ein höheres Risiko für eine Thrombose. Durch eine leichte Heparin-Therapie kann man dieses Risiko deutlich senken und somit lebensbedrohlichen Thrombose-Folgen wie einer Lungenembolie, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall vorbeugen.

Tipp zur Versorgung auf Krücken: Nachdem man an den ersten Tagen meist von seinen Verwandten bemuttert wird, muss man irgendwann zumindest zu einer teilweisen Selbstständigkeit zurückkehren. Und für Patienten mit einer Weber B Fraktur heißt das, trotz Krücken einfache Dinge zu erledigen. Besorg Dir einen Beutel zum Umhängen! Damit kannst Du alle möglichen Dinge gefahrlos transportieren. Denn Auftreten und Belasten des gebrochenen Beines ist zunächst tabu. Für Kaffee und Getränke kannst Du verschraubbare Barmixer oder Thermoflaschen nutzen. Die sind dicht und hitzebeständig.
Tipp zu den Heparin-Spritzen: Wer Angst vor dem Piks beim Spritzen hat, kann einen kleinen Trick anwenden. Die Haut ist nicht überall gleich empfindlich. Man kann einfach die Nadel kurz ansetzen und wenn man das sofort spürt, wählt man eine andere Stelle. Es gibt eigentlich immer Stellen, an denen man das Eindringen der dünnen Kanüle gar nicht spürt.

Die Operation – Osteosynthese

Sprunggelenksfraktur: Röntgenaufnahme nach der OP
Sprunggelenkfraktur: Röntgenaufnahme nach der OP Foto: praisaeng | Bigstock

Von der Operation bekommt der Patient in der Regel nicht viel mit, da die meisten Weber-B-Operationen in Vollnarkose durchgeführt werden.

Dabei eröffnet der Operateur das Sprunggelenk mit einem senkrechten Schnitt über dem Knöchel. Der Bruch wird gerichtet und mit einer kleinen Titan-Schiene verschraubt. (Osteosynthese) Ist das Syndesmose-Band gerissen, wird es vernäht und die Heilung mit einer Stellschraube unterstützt.

Nach der Operation

Heute gibt es die Möglichkeit, die Schmerzen nach der Operation effektiv zu senken. Entweder über einen festen Zugang im Bein, der permanent mit Schmerzmittel versorgt wird oder über konventionelle Schmerzmittel per Injektion oder Tropf.

Nach 2-3 Tagen sind die Schmerzen in der Regel abgeklungen und es kann mit der Mobilisierung begonnen werden. Diese Aufgabe übernehmen meist Physiotherapeuten direkt im Klinikum.

Nachdem der Patient von festen Schmerzmittelzugängen befreit und der Verband mehrfach gewechselt wurde, kann er i.d.R. entlassen werden. Die weitere Wundversorgung erfolgt dann ambulant.

Tipp zu den Schmerzmitteln: Wenn ich heute zu einer Operation ins Krankenhaus muss, nutze ich das Vorgespräch mit dem Anästhesisten intensiv. Ich bespreche genau, welche Schmerzmittel auf die Medikationsliste gesetzt werden. Es hilft mir enorm, wenn ich weiß, dass man mich mit meinem Schmerz nicht allein lässt und dass beim Versagen eines leichteren Schmerzmittels immer noch eine „größere Keule“ auf der Liste steht. Paracetamol, das bei mir generell eher schlecht wirkt, lasse ich streichen. Und ich habe gelernt: Schmerz sollte frühzeitig bekämpft werden. Ich bin damals der Versuchung erlegen, „stark“ bleiben zu wollen und habe erst nach der Schwester geklingelt, als der Schmerz schon unerträglich war und ich ein paar Stunden gelitten hatte. Es gibt keinen Heldenbonus fürs Leiden.

Mobilisierung

Nach der Operation können die Patienten nur langsam mobilisiert werden. Dazu gibt es – je nach Klinikum und behandelndem Arzt – ganz unterschiedliche Vorgehensschemata.

Beispiele

  • Das Bein wird komplett entlastet. Der Patient läuft mit Gehhilfen ausschließlich mit dem gesunden Bein. Nach einigen Wochen erfolgt eine Teilbelastung mit 10-15 Kilogramm, die dann langsam gesteigert wird.
  • Der Patient wird gleich nach der Operation mit einem Spezialschuh (bspw. Vacoped) versorgt, der es ermöglicht, fast normal zu laufen und das operierte Bein zu entlasten. Entweder wird das Bein dann sofort voll belastet oder es wird mit einer Teilbelastung begonnen.
  • Sehr alte Patienten oder Patienten mit starkem Übergewicht, die mit Gehhilfen nicht mobilisierbar sind, müssen mit einem Rollstuhl versorgt und nach Verheilung des Bruchs langsam mobilisiert werden.

I.d.R. erfolgt während der Zeit nach der Operation eine permanente physiotherapeutische Begleitung mit dem Ziel, das Gelenk beweglich zu halten.

Prognose und Heilungschancen

Die Heilungschancen einer Weber-B-Fraktur sind mit modernen Behandlungsverfahren sehr hoch. Jenseits einer kleinen Komplikationsrate sind die Patienten nach Abschluss der Behandlung beschwerdefrei und genauso beweglich wie zuvor.

Die Operation verhindert vor allem Fehlstellungen des Gelenks, die später zur Schädigung des Gelenks durch eine Arthrose führen können. Wichtig für den langfristigen Erfolg der Behandlung ist die exakte Ausrichtung des Gelenks im Rahmen der Operation.

Bei konservativer Behandlung – ohne Operation – ist das Risiko von Spätfolgen deutlich höher.


Medizinjournalist
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Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Onlinemedien. Er engagiert sich ehrenamtlich in BOINC-Projekten zur Krebsforschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Versorgung der Sprunggelenkfraktur – Standards, Tipps und Fallstricke – Autoren: Konrad Kamin, Dmitri Notov, Onays Al-Sadi, Christian Kleber, Stefan Rammelt – Publikation: Der Unfallchirurg volume 123, S. 43–56 – DOI: 10.1007/s00113-019-00753-x
  • Funktionell-konservative versus operative Therapie der Weber-B-Fraktur – Autoren: J. Richter, Ch. Josten, T. Schildhauer, G. Muhr – Publikation: Die Ambivalenz des Fortschritts — ist weniger mehr? pp 923-926 – DOI: 10.1007/978-3-642-79242-7_252
  • Spezielle Probleme und Spätfolgen nach OSG-Fraktur – Autoren: M. Beck, T. Mittlmeier – Publikation: Trauma und Berufskrankheit volume 21, pages3–12 – DOI: 10.1007/s10039-020-00457-1
  • Knöchelbruch – eine einfache Fraktur? – Autoren: Frank Wernicke, Wieland Otto – Publikation: Trauma und Berufskrankheit volume 5, pages149–155 – DOI: 10.1007/s10039-003-0732-1
  • Sprunggelenksfrakturen des Erwachsenen – Autoren: J. Richter, G. Muhr – Publikation: Der Chirurg volume 71, pages489–502 – DOI: 10.1007/s001040051092
  • Frakturen des oberen Sprunggelenkes — Klassifikation und Therapie – Autoren: R. Szyszkowitz, G. Bratschitsch – Publikation: Acta Chirurgica Austriaca volume 33, S. 9–13 – DOI: 10.1007/BF02953405
  • Gipsen oder schrauben? – Autoren: Holger Lohmann, Guido Grass, Wolfgang Müller, Christoph Rangger, Günther Mathiak – Publikation: MMW – Fortschritte der Medizin volume 148, pages30–36 – DOI: 10.1007/BF03364588
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