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Home»Krankheiten»Hodenkrebs

Hodenkrebs » Symptome, Ursachen und Behandlung

Hodenkrebs ist eine seltene, in frühen Stadien gut behandelbare Krebserkrankung, die primär jüngere Männer betrifft.
Sebastian Fiebiger Sebastian Fiebiger↻ 12.06.26
Hodenkrebs - Schematische Darstellung
Hodenkrebs - Schematische Darstellung (Abb. joshya | Shutterstock)

Inhaltsverzeichnis

  • Was ist Hodenkrebs?
  • Symptome
  • Ursachen
  • Behandlung
  • Vorsorge durch Ertasten
  • Was tun? Welcher Arzt?
  • Heilungschancen

Was ist Hodenkrebs?

Hodenkrebs (Hodenkarzinom) ist eine bösartige Tumorerkrankung des männlichen Hodens. Das Hodenkarzinom ist mit nur rund 4.000 Fällen1 pro Jahr in Deutschland eine eher seltene Krebserkrankung.

Im Gegensatz zu anderen Krebserkrankungen trifft sie vor allem junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren1. Als Risikofaktoren gelten Hodenhochstand, durchgemachte Hodenentzündungen und eine überdurchschnittliche Körpergröße.

Hodenkrebs-Symptome

Die typischen Anzeichen des Hodenkarzinoms
Verhärtung bzw. Knoten am oder im Hoden
Schwellung eines Hodens
Hodenschmerzen
Schweregefühl im Hoden
Ziehen in der Leiste
Brustwachstum
nachlassende Libido
Schmerzen der Brustdrüsen
Blut im Ejakulat (Sperma)
Bauchschmerzen (Unterbauch)

Alle Veränderungen, die an den Hoden auftreten, sollten ärztlich abgeklärt werden. Eine regelmäßige Selbstuntersuchung der Hoden auf Veränderungen ist für Männer sinnvoll.

Was tun?

Lage der Hoden im menschlichen Körper
Lage der Hoden im menschlichen Körper (Abb. Dante1969 | Shutterstock)

Die meisten Hodentumore werden durch Selbstuntersuchung entdeckt. Wer beobachtet, dass ein Hoden an Größe zunimmt oder einen Knoten tastet, sollte umgehend einen Arzt aufsuchen. Der Urologe ist der richtige Ansprechpartner.

Hodenkrebs ist in aller Regel gut therapierbar. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt, je nach Tumor und Stadium der Erkrankung, bei 50 bis nahezu 100 Prozent. Eine frühe Diagnose ist für eine erfolgreiche Therapie entscheidend. Hat der Tumor noch keine Metastasen gebildet, liegt die Heilungschance bei über 95 Prozent.

Hodenkrebs wird i.d.R. durch die operative Entfernung des betroffenen Hodens behandelt. Je nach Stadium und Verlauf der Erkrankung können zusätzlich eine Chemotherapie und eine Bestrahlung infrage kommen.

Diagnose: Was macht der Arzt?

Der Arzt wird den Hoden zunächst mit der Hand untersuchen und dabei auf Schwellungen, Größenveränderungen, Knoten und einen ggf. vorliegenden Druckschmerz achten. Zusätzlich wird der Hoden i.d.R. per Ultraschall untersucht.

Im Rahmen einer sich anschließenden Blutentnahme können diverse labortechnische Tumormarker erhoben werden:

  • Alphafetoprotein (AFP)
  • humanes Choriongonadotropin (Beta-HCG)
  • Laktatdehydrogenase (LDH)

Die Tumormarker sind nicht bei jedem Patienten erhöht. Bei reinen Seminomen etwa bleibt das AFP im Normalbereich.

Normalwerte der Tumormarker schließen einen Tumor daher nicht aus. Die Marker helfen vor allem bei der Verlaufskontrolle und der Einschätzung des Tumorstadiums.

Besteht aufgrund von Tastbefund, Ultraschall und Tumormarkern der Verdacht auf einen bösartigen Hodentumor, wird der Hoden in der Regel über einen Leistenschnitt freigelegt und der betroffene Hoden samt Nebenhoden und Samenstranganteil entfernt.

In unklaren Fällen kann während der Operation eine Schnellschnittuntersuchung durchgeführt werden, um das Vorgehen festzulegen.

Die endgültige Diagnose erfolgt durch die feingewebliche Untersuchung des entfernten Gewebes. (Histologie)

Differenzialdiagnosen

  • Blutbruch (Hämatozele) - Ansammlung von Blut im Hoden
  • Hodenbruch (Skrotalhernie) - Absinken von Darmanteilen in den Hodensack
  • Hodenentzündung (Orchitis) - akute Entzündung des Hodens
  • Hodentorsion - Verdrehung des Hodens am Samenstrang um seine Längsachse
  • Nebenhodenentzündung (Epididymiti): akute Entzündung des Nebenhodens
  • Spermatozele - zystische Ausweitung von Nebenhoden oder Samenstrang
  • Wasserbruch (Hydrozele): Ansammlung von Flüssigkeit im Hoden

Behandlung & Therapie

Hodenkrebs ist heute gut behandelbar
Hodenkrebs ist heute gut behandelbar (Foto: Africa Studio | Shutterstock)

Hodenkrebs wird in der Regel zunächst operativ therapiert. Im Zuge einer operativen Freilegung zur Bestätigung der Diagnose, wird der betroffene Hoden entfernt. Diesen Eingriff nennt man Orchiektomie. Im Rahmen dieser Operation kann auch der andere Hoden biopsiert werden, um Krebsvorstufen auszuschließen.

Eine daran anschließende feingewebliche Untersuchung (Histologie) des entnommenen Hodens bestimmt die Tumorart und die Ausbreitung.

Die Operation dauert rund eine Stunde und wird stationär durchgeführt. Der Patient kann - wenn keine Komplikationen vorliegen - das Krankenhaus bereits nach wenigen Tagen wieder verlassen.

Suche nach Metastasen

Nach der Entfernung des Hodens gilt es zu prüfen, ob der Hodenkrebs bereits in andere Organe - etwa des Bauchraumes - gestreut hat. Auch Metastasen (Tochtergeschwülste) im Gehirn sind ggf. auszuschließen.

Zur Suche nach Metastasen wird routinemäßig die Computertomografie (Brustkorb, Bauch und Becken) eingesetzt. Weitere Untersuchungen wie eine MRT des Kopfes erfolgen nur bei begründetem Verdacht.

Operative Entfernung von Metastasen und Lymphknoten

Das Stadium der Erkrankung entscheidet über die weitere Therapie. Metastasen werden - soweit möglich - ebenfalls operativ entfernt. Meist werden auch die Lymphknoten im Umkreis um den Tumor prophylaktisch entfernt.

Chemotherapie und Bestrahlung

Die weitere Behandlung hängt von der Art des Tumors ab. Seminome sprechen gut auf die Strahlentherapie an, weshalb in einigen Fällen vorsorglich der Bauchraum bestrahlt wird. Bei Nicht-Seminomen hat sich die Strahlentherapie nicht bewährt. Bei beiden Tumorarten kommen moderne Chemotherapeutika zum Einsatz.

In frühen Stadien wird häufig nur operiert und anschließend engmaschig überwacht.

Lebenserwartung, Heilung & Prognose

Hodenkrebs gehört zu den gut behandelbaren Krebserkrankungen. Die Heilungsraten sind - vor allem in den frühen Stadien - sehr gut. Moderne Chemotherapien haben aber selbst dann noch gute Erfolgsquoten, wenn die Erkrankung schon weit fortgeschritten ist und sich Fernmetastasen gebildet haben.

Bei Seminomen beträgt die Heilungsrate zwischen 80 und 100 Prozent - bei Nicht-Seminomen je nach Stadium zwischen 50 und 100 Prozent.

Sterbens- und Überlebensraten2

Die Überlebensraten verbessern sich mit dem Fortschritt der Medizin. Die Behandlung von Krebserkrankungen ist Gegenstand intensiver Forschung, die jährlich neue Therapieoptionen liefert.

Jahr5 Jahre10 Jahre
201496%95%
201697%97%

Sterberate: 0,0004 Prozent (der männlichen Bevölkerung)
Erkrankungsrate: 0,01 Prozent (der männlichen Bevölkerung)

Medikamente / Chemotherapie

Im Rahmen einer Chemotherapie bei Hodenkrebs kommt heute die Wirkstoffkombination PEB zum Einsatz:

P = Cisplatin
E = Etoposid
B = Bleomycin

Bleomycin kann durch andere Chemotherapeutika ersetzt werden, um die Lungenfunktion - etwa bei Berufssportlern - zu schonen, die durch Bleomycin negativ beeinträchtigt wird.

Nebenwirkungen der Chemotherapie:

  • Appetitverlust
  • erhöhte Infektanfälligkeit
  • Gefühlsstörungen in den Gliedmaßen
  • Haarausfall
  • Hautveränderungen
  • Höhrminderung
  • Störungen des Geschmackssinns
  • verminderte Blutgerinnung
  • verminderte körperliche Leistungsfähigkeit
  • verminderte Lungenfunktion
  • verminderte Nierenfunktion
  • Verlust der Zeugungsfähigkeit
  • Übelkeit

Folgen

Wurde im Rahmen der Operation ein Hoden entfernt, hat das kaum Auswirkungen auf die Lebensqualität. Eine Hormonersatztherapie wird i.d.R. erst dann nötig, wenn beide Hoden entfernt werden mussten. Das ist nur bei etwa fünf Prozent der Hodenkrebs-Patienten der Fall.

Wichtig ist, dass der Patient alle Nachsorgetermine einhält, um im Fall von auftretenden Rezidiven schnell reagieren zu können. Diese sind bei Hodenkrebs allerdings relativ selten. Im Rahmen der Nachsorge wird der verbliebene Hoden per Ultraschall untersucht, die Tumormarker im Blut erhoben und ggf. mittels Bildgebung der Bauchraum, die Lunge und das Hirn auf Metastasen untersucht.

Patienten, die sich aus ästhetischen Gründen am fehlenden Hoden stören, können mit einer Hodenprothese versorgt werden. Die besteht aus einem Silikonkissen, das in Größe und Form dem verbliebenen Hoden angepasst werden kann. Die Hodenprothese ist funktionslos, stellt aber den haptischen Eindruck vor der Operation wieder her.

Vorsorge

Für Hodenkrebs gibt es im Moment kein ärztliches Screening. Männer sind daher auf die Selbstuntersuchung angewiesen, die Erwachsenen halbjährlich empfohlen wird. Dabei wird der Hoden in entspannter Haltung - beim Baden oder Duschen - vorsichtig auf Auffälligkeiten abgetastet. Dabei sollte jeder Hoden einzeln abgetastet und auf folgende Auffälligkeiten geachtet werden:

  • Größenveränderungen
  • Schwellungen oder Verhärtungen
  • Unterschiede zwischen beiden Hoden

Bei auftretenden Auffälligkeiten, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Der Urologe ist der richtige Ansprechpartner für Erkrankungen des Hodens.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Hodenkrebs sind - trotz intensiver Forschung - noch nicht bekannt. Es gibt aber bestimmte Risikofaktoren, die die Entstehung von Hodenkrebs zu begünstigen scheinen:

  • Entzündungen des Hodens
  • familiäre Vorbelastung
  • Frühpubertät
  • genetische Faktoren
  • Hodenhochstand in der Kindheit
  • Pflanzenschutzmittel-Exposition
  • Schwermetall-Exposition
  • überdurchschnittliche Körpergröße

Das Hodenkrebs-Risiko bei Patienten mit Hodenhochstand ist um das 10-Fache erhöht - selbst dann, wenn dieser schon im Kindesalter operativ behoben wurde. Wurde der Hodenhochstand nicht behoben, gilt heute die Empfehlung, den hochstehenden Hoden prophylaktisch zu entfernen.

Eine Häufung von Hodenkrebs-Fällen hat man in Dänemark beobachtet. Die Ursache dafür konnte bislang nicht ermittelt werden.

Verbreitung

Hodenkrebs gehört mit einem Anteil von rund 1,6 Prozent an allen Krebs-Neuerkrankungen zu den eher seltenen Krebsarten. Rund 4.000 Hodenkrebs-Diagnosen werden in Deutschland jährlich gestellt. Im Gegensatz zu den meisten Krebserkrankungen, deren Erkrankungshäufigkeit im Alter stark ansteigt, trifft Hodenkrebs vor allem junge Männer unter 40 Jahren. In der Altersgruppe zwischen 20 und 45 Jahren ist Hodenkrebs die häufigste Krebserkrankung.1 Zwischen 20 und 30 Prozent aller Krebsdiagnosen in diesem Altersfenster sind Hodenkrebs-Diagnosen.

Die Erkrankungsrate ist in den westlichen Ländern über Jahrzehnte deutlich gestiegen. In Deutschland hat sich die Zahl der Neuerkrankungen zuletzt jedoch auf hohem Niveau stabilisiert.

Starker Anstieg in Deutschland

Für Deutschland ist seit 1980 ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen dokumentiert. Damit gehört Deutschland zu den Ländern mit den weltweit höchsten Hodenkrebs-Raten.

Hierzulande erkranken pro Jahr rund 4.000 Männer neu an Hodenkrebs, etwa 150 sterben daran.

Durchschnittsalter bei Erkrankung

Das Durchschnittsalter bei Neuerkrankungen liegt bei etwa 38 Jahren.1

Typen

  • Seminome (ca. 50 bis 60 Prozent der Erkrankungen) - bilden sich aus unreifen Keimzellen oder Spermatozyten
  • Nicht-Seminome (ca. 40 bis 50 Prozent der Erkrankungen)

Fragen und Antworten

Kann ich auch mit Hodenkrebs noch Kinder bekommen?
Sollte ich mir vor der Operation eine zweite Meinung einholen?

Kann ich auch mit Hodenkrebs noch Kinder bekommen?

In den meisten Fällen lautet die Antwort auf diese Frage: Ja! Zwar wird die Spermaqualität durch die Behandlungen im Rahmen einer Hodenkrebs-Therapie gemindert. In der Regel sind die Patienten aber innerhalb von zwei Jahren nach der Behandlung wieder zeugungsfähig.

Da es dennoch zu einer dauerhaften Schädigung des samenbildenden Systems kommen kann, sollten Männer mit Kinderwunsch vorsorgen. Sperma lässt sich vor der Behandlung des Tumors konservieren und bei einer Samenbank für eine künftige Kinderwunsch-Behandlung einlagern.

In den ersten zwei Jahren nach der Tumorbehandlung sollte verhütet werden, da die eingesetzten Therapiemittel das Erbgut temporär verändern können und somit das Risiko für Fehlgeburten und Fehlbildungen des Babys erhöhen. Während der Chemotherapie sollte mit Kondomen verhütet werden, da die Chemotherapeutika die empfindlichen Schleimhäute der Partnerin schädigen können.

Sollte ich mir vor der Operation eine zweite Meinung einholen?

Untersuchungen haben ergeben, dass eine Zweitmeinung bei Hodenkrebs zu einer deutlich verbesserten Therapie und damit auch zu größeren Behandlungserfolgen führt. Mit Unterstützung der Deutschen Krebshilfe wurde daher ein Netzwerk für die schnelle Einholung von Zweitmeinungen eingerichtet.3

Der behandelnde Arzt kann dort die diagnostischen Unterlagen einreichen und damit die Meinung eines spezialisierten Kollegen einholen. Das wird heute schon bei etwas einem Viertel der Hodenkrebs-Fälle gemacht.

Prominente Hodenkrebs-Patienten

Es gibt einige bekannte Persönlichkeiten, die sich öffentlich zu ihrer Hodenkrebs-Erkrankung bekannt haben:

  • Ivan Basso (Profi-Radrennfahrer)
  • Lance Armstrong (Profi-Radrennfahrer)
  • Marco Russ (Profi-Fußballer)


Patientenerfahrungen

Bist Du an Hodenkrebs erkrankt? Oder hast Du einen Verdacht? Wie hat sich die Erkrankung bemerkbar gemacht? Was hast Du unternommen? Wie wurdest Du behandelt? Wie geht es Dir heute

Schreib uns Deine Erfahrungen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Das funktioniert ganz ohne lästige Anmeldung und hilft anderen Betroffenen.

Quellen

  • Krebsdaten: Hodenkrebs beim Robert-Koch-Institut
  • Kapitel "Hoden" aus "Krebs in Deutschland" - Robert-Koch-Institut (PDF)
  • S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Keimzelltumoren des Hodens - Langversion 0.1 (Konsultationsfassung) – November 2018 AWMF-Registernummer: 043/049OL
  • Zweitmeinungsprojekt der Deutschen Hodentumor Studiengruppe (GTCSG)
  • 28 Hodenkrebs Des Erwachsenen - Autor: Jacobi, Günther H. - Publikation: Praxis Der Männergesundheit. Stuttgart: Georg Thieme Verlag, 2003.
  • Sexualfunktion Nach Hodenkrebs Publikation: 50, no. 02 (2019): 139-40. Aktuelle Urologie, 2019, Vol.50(02)
  • ICD-10: C62 Bösartige Neubildung des Hodens (Hodenkrebs) Ärztliche Anlaufstellen: Urologe
Krebs
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Sebastian Fiebiger

Sebastian ist Diplom-Wirtschaftsinformatiker und arbeitet seit 24 Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin. Profil | Twitter | Instagram | LinkedIn

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