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Wann, wie und wie oft?

Blutdruck richtig messen

Blutdruck messen

Blutdruck messen als Teil der persönlichen Gesundheitsvorsorge
Foto: N_Defender | Bigstock

Blutdruck richtig messen

So wird der Blutdruck richtig gemessen:

  • beide Beine stehen parallel auf dem Boden (nicht überschlagen!)
  • bequeme Sitzposition mit Rückenlehne
  • ein paar Minuten Ruhe vor der Messung
  • Manschette des Messgeräts etwa auf Herzhöhe

Führen Sie immer mehrere Messungen durch und bilden Sie einen Mittelwert.

Lesezeit: 9 Minuten

Die Selbstmessung ist ein wichtiger Teil der Vorsorge. Ein Messgerät sollte deshalb in jedem Haushalt vorhanden sein. Verlässliche Blutdruckmessgeräte gibt es heute schon für unter 50 Euro. Bei der Auswahl helfen Fachhändler und Tests in Verbraucher- und Fachmagazinen. Sie können mit dem gekauften Gerät auch zum Arzt oder in die Apotheke gehen und eine Vergleichsmessung durchführen lassen.

Wichtig ist eine entspannte Körperhaltung während der Messung. Suchen Sie sich am besten einen ruhigen Ort, setzen Sie sich und lassen Sie ein paar Minuten verstreichen, um sich zu entspannen. Die Beine stellen Sie parallel auf den Boden (überschlagene Beine erhöhen den Blutdruck) und achten Sie darauf, dass sich die Messmanschette in etwa auf Herzhöhe befindet.

Führen Sie mehrere Messungen durch, um Ausreißer und Messfehler zu vermeiden.

Ist die Messung am Oberarm oder am Handgelenk genauer?

Während früher die Oberarmmessung präferiert wurde, bestehen heute faktisch kaum noch Unterschiede in der Präzision. Gute Messgeräte für den Oberarm und für das Handgelenk messen gleichermaßen genau.

Sollte ich den Blutdruck links oder rechts messen?

Das spielt keine große Rolle, sodass der bequemere Arm gewählt werden kann. Sollten beide Messwerte aber erheblich abweichen, gilt der höhere Wert.

Der Weißkitteleffekt

Blutdruckmessungen beim Arzt

Blutdruckmessungen beim Arzt fallen häufig höher aus
Foto: PrinsProduction | Bigstock

Wer beim Arzt immer einen höheren Blutdruck hat, als er zu Hause selbst misst, fällt möglicherweise dem sogenannten „Weißkitteleffekt“ zum Opfer. Die Gegenwart von Ärzten erinnert viele Patienten an Krankheit, Leiden, Schmerzen und verursacht Stress. Die Folge: Der Blutdruck steigt.6

In diesen Situationen sollte der Blutdruck nicht gemessen werden

Rauchen

Das Rauchen einer Zigarette lässt den Blutdruck ansteigen. Schon innerhalb von 30 Sekunden ist ein signifikanter Anstieg messbar, der nach 5 Minuten etwa 20 mmHg erreicht. Erst eine halbe Stunde nach dem Rauchen hat sich der Blutdruck wieder normalisiert.1 2 Der Blutdruck sollte daher nicht während oder nach dem Rauchen gemessen werden.

Aktivität

Auch Sport und körperliche Aktivität lassen den Blutdruck ansteigen. Bei untrainierten Menschen dauert es länger bis sich der Blutdruck nach einer Belastung wieder normalisiert. Der Blutdruck sollte daher in einer Phase körperlicher Ruhe gemessen werden.

Stress

Aufregung und Stress lassen den Blutdruck steigen und verfälschen daher das Ergebnis der Messung. Die Blutdruckmessung sollte an einem ruhigen Ort ohne externe Stressfaktoren vorgenommen werden.

Alkohol

Alkohol senkt kurzfristig den Blutdruck.3 Der Blutdruck sollte also nur im nüchternen Zustand gemessen werden.

Kaffee

Koffeinhaltige Getränke lassen den Blutdruck steigen. Zwischen 10 und 20 mmHg mehr sind nach dem Genuss von Kaffee oder Energydrinks messbar. Also erst den Blutdruck messen, dann Kaffee trinken.

Infektionen

Wer krank ist, Fieber hat oder unter einem Infekt leidet, muss mit einem abweichenden Messergebnis rechnen.

Stuhl- oder Harndrang

Wer eigentlich zur Toilette muss, wird einen höheren Blutdruck messen. Ungünstig.

Sollte man den Blutdruck vor oder nach dem Essen messen?

Der Blutdruck sollte immer zur selben Zeit vor dem Essen gemessen werden. Auf keinen Fall sollte der Blutdruck direkt nach einer Mahlzeit gemessen werden. Nach dem Essen steigt die Durchblutung der Verdauungsorgane, sodass der Blutdruck in Armen und Beinen abfällt, was zu einer Verfälschung der Messergebnisse führen kann. Es sollte daher mindestens eine Stunde zwischen einer Mahlzeit und dem Messen des Blutdrucks liegen.

Ältere Menschen sind besonders betroffen. Nimmt der Blutdruckabfall pathologische Ausmaße an, spricht man von einer postprandialen Hypotonie.4 5

Zu welcher Tageszeit sollte man den Blutdruck messen?

Der Blutdruck hat einen bestimmten Tagesrhythmus –  den zirkadianen Rhythmus des Blutdrucks.

Morgens nach dem Aufstehen – zwischen acht und neun Uhr – ist er am höchsten, das ist der erste Gipfel. Mittags fallen die Werte ab. Nach einem Mittagsschlaf können sie wieder leicht erhöht sein. Nachmittags zwischen vier und fünf Uhr kommt es zu einem zweiten Gipfel, der nicht ganz so hoch ist wie morgens.

In der Nacht pendelt sich der Blutdruck auf seinen tiefsten Stand ein. Die Werte können im Laufe der 24 Stunden um 15 Prozent voneinander abweichen.

Wie oft sollte man den Blutdruck messen?

Wer therapiebegleitend den Blutdruck zu Hause misst, sollte in der Anfangsphase, bis der Blutdruck richtig eingestellt ist, dreimal täglich messen: morgens, mittags und gegen Abend.

Ist der Blutdruck stabil, reicht eine Messung am Tag. Es ist dann sinnvoll, die Tageszeiten zu variieren, also mal morgens, mittags oder abends zu messen, um einen besseren Überblick zu bekommen. In der hausärztlichen Praxis wird der Blutdruck bei jedem Besuch gemessen. Das ist hilfreich, um die eigenen Messungen zu kontrollieren.

Bei gesunden Patienten ohne bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankung und ohne Bluthochdruck reichen sporadische Kontrollmessungen.

Messen Sie den Blutdruck an einem ruhigen Ort

Messen Sie den Blutdruck an einem ruhigen Ort
Foto: New Africa | Bigstock

Was tun, wenn der Blutdruck zu hoch ist?

Wichtiger Hinweis: Plötzlich stark ansteigende Blutdruckwerte auf über 210 zu 120 bezeichnet man als hypertensive Krise. Sie ist ein medizinischer Notfall und bedarf sofortiger medizinischer Behandlung. Wählen Sie bitte 112 und fordern Sie sofort notfallmedizinische Hilfe an.

Sind die Blutdruckwerte nur leicht erhöht, sollten zunächst weitere Messungen vorgenommen werden. Es gibt Faktoren, die den Blutdruck kurzfristig erhöhen. Nur regelmäßige Messungen sorgen für ein aussagekräftiges Bild.

Ist der Blutdruck immer wieder erhöht, sollte ein Arzt konsultiert werden. Der Hausarzt oder Internist sind hierfür die richtigen, ersten Anlaufstellen.

Der Arzt wird zunächst versuchen, die Ursache für die Druckerhöhung zu ermitteln. Dazu ist ein ausführliches Patientengespräch (Anamnese) erforderlich. Das sollte man als Patient durchaus ernst nehmen und nicht abtun, da hier wertvolle Informationen gewonnen werden können.

Tipp: Machen Sie möglichst ausführliche Angaben zu ihrem Lebenswandel, eingenommenen Medikamenten und etwaigen Herzproblemen in ihrer Familie.

Meist wird zusätzlich eine Herzdiagnostik (EKG, Belastungs-EKG, Herz-Ultraschall) durchgeführt.

Was bedeutet diastolischer und systolischer Blutdruck?

Das Herz pumpt das Blut durch den menschlichen Kreislauf und sorgt dafür, dass alle wichtigen Organe mit Sauerstoff versorgt werden. Das Herz pumpt mit der Pulsfrequenz – der aufgebaute Druck ist daher nicht konstant, sondern folgt ebenfalls einem Pulsmuster. Der dabei aufgebaute Maximaldruck ist der systolische Blutdruck, der Minimaldruck der diastolische Blutdruck.

Der systolische Blutdruck entsteht bei der Anspannung des Herzens, wenn es sich zusammenzieht und die Pulswelle aufbaut.

Der diastolische Druck entsteht bei der Entspannung des Herzmuskels, in deren Folge die Pulswelle abebbt.

Was ist eine 24-Stunden-Blutdruck-Messung?

Der Blutdruckwert kann im Tagesverlauf erheblich schwanken – sowohl auf Basis der natürlichen Blutdruckkurve, als auch durch Einflussfaktoren im Leben des Patienten. Blutdruckschwankungen können aber auch eine krankhafte Ursache haben. Um sich dem diagnostisch zu nähern, kann eine 24-Stunden-Messung veranlasst werden.

Dazu bekommt der Patient für 24 Stunden eine Oberarm-Manschette mit Messcomputer. Diese verbleibt den ganzen Tag am Arm und führt automatisch alle Viertelstunde eine Messung durch. Nachts ist die Messfrequenz meist auf eine halbe Stunde reduziert.

Alle Messwerte werden aufgezeichnet und ermöglichen so ein aussagekräftiges Bild über den Tagesverlauf. Parallel dazu wird meist ein Tagebuch geführt, um die auslösenden Faktoren für die Blutdruckschwankungen zu identifizieren.

Steigt oder sinkt der Blutdruck durch Sport?

Direkt während des Sports steigt der Blutdruck. Vor allem der systolische Druck steigt deutlich an, weil das Herz die Pumpleistung erhöhen muss, um dem durch die körperliche Aktivität steigenden Sauerstoffbedarf Rechnung zu tragen.

Mittelfristig gehört körperliches Training aber zu den blutdrucksenkenden Maßnahmen. Körperliche Aktivität ist daher meist auch Bestandteil einer Blutdrucksenkungstherapie.

Blutdruck: Normalwerte für Erwachsene

Einstufungsystolisch in mmHgdiastolisch in mmHg
Hypotonie< 90< 60
niedrig< 110< 70
optimal< 120< 80
normal< 130< 85
hochnormal130-13985-89
Hypertonie Grad I140-15990-99
Hypertonie Grad II160-179100-109
Hypertonie Grad III> 180> 110
Hypertensiver Notfall> 210110-140
systolische Hypertonie> 140< 90
US-Grenzwert1 für Bluthochdruck bis 2017> 140> 90
US-Grenzwert1 für Bluthochdruck seit 2017> 130> 80

Normaler Blutdruck in Abhängigkeit vom Alter

Altersystolisch in mmHGdiastolisch in mmHG
Frühgeborene45-50
Neugeborene70-80
Baby (bis 3 Monate)70-85
Kleinkind (bis 1 Jahr)85-9560
Kind (bis 9 Jahre)95-10060-70
Jugendlicher (bis 14 Jahre)101-11068-74
Erwachsener120-12980-84
Senioren< 140< 90


Medizinjournalist


Sebastian () arbeitet seit Jahren für medizinische Publikationen. Er engagiert sich in Distributed Computing Projekten zur medizinischen Forschung. Sebastian ist verheiratet, hat ein Kind und lebt in Berlin.


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Quellen

  • Cardiovascular effects of cigarette smoking – Autoren: R De Cesaris, Department of Biomedical Science and Human Oncology, University of Bari Medical School, Italy, Ranieri G,
    V Filitti, Bonfantino MV, Andriani A – Publikation: Cardiology, 01 Jan 1992, 81(4-5):233-237 – DOI: 10.1159/000175809
  • Acute effects of cigarette smoking on arterial stiffness and blood pressure in male smokers with hypertension – Autoren: Moo-Yong Rhee, Sang-Hoon Na, Young-Kwon Kim, Myoung-Mook Lee, Hae-Young Kim – Publikation: Am J Hypertens. 2007 Jun;20(6):637-41. – DOI: 10.1016/j.amjhyper.2006.12.017
  • Effect of alcohol on blood pressure – Autoren: Sara Tasnim, Chantel Tang, Vijaya M Musini, James M Wright – Publikation: Cochrane Database Syst Rev. 2020 Jul 1;7:CD012787 – DOI: 10.1002/14651858.CD012787.pub2
  • Postprandiale Hypotonie – Autoren: Andrea D. Thompson , MD, PhD, Department of Internal Medicine, Division of Cardiovascular Medicine, University of Michigan; Michael J. Shea , MD, Michigan Medicine at the University of Michigan – Publikation: MSN Manual – URL: https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/herz-und-gef%C3%A4%C3%9Fkrankheiten/symptome-von-erkrankungen-des-herzens-und-der-blutgef%C3%A4%C3%9Fe/postprandiale-hypotonie
  • Mahlzeiten jagen Blutdruck in den Keller – Publikation: CME volume 15, page3(2018) – DOI: 10.1007/s11298-018-6523-6
  • White coat hypertension: relevance to clinical and emergency medical services personnel – Autoren: Tipu V Khan, Safa Shakir-Shatnawi Khan, Andre Akhondi, Teepu W Khan – Publikation: MedGenMed. 2007 Mar 13;9(1):52. – PMID: 17435652
  • Kaffee und Blutdruck – Autoren: Prof. Dr. med. Heribert Schunkert – Publikation: Deutsche Herzstiftung – URL: https://www.herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/kaffee-und-blutdruck
  • Blutdruck selbst messen – ProCare, 2014, Vol.19(5), pp.21-21 – DOI: 10.1007/s00735-014-0329-x
  • Risiko mindern durch Blutdruck-Selbstmessung? – Pommer, Peter – Retten!, 2014, Vol.3(3), pp.215-215 – DOI: 10.1055/s-0034-1385965
  • Langzeit-Blutdruck lohnt sich immer – Holzgreve, H. – MMW – Fortschritte der Medizin, 2018, Vol.160(10), pp.30-30 – DOI: 10.1007/s15006-018-0571-4
  • Hoher Blutdruck fängt jetzt bei 130 an! – Overbeck, Peter – MMW – Fortschritte der Medizin, 2017, Vol.159(21), pp.10-11 – DOI: 10.1007/s15006-017-0351-6
  • Principles of Blood Pressure Measurement – Current Techniques, Office vs Ambulatory Blood Pressure Measurement. – Vischer AS, Burkard T – Adv Exp Med Biol. 2017;956:85-96. PMID: 27417699 | doi: 10.1007/5584_2016_49
  • The effect of different body positions on blood pressure. – Eser I, Khorshid L, Güneş UY, Demir Y. – J Clin Nurs. 2007 Jan;16(1):137-40 – PMID: 17181675 DOI: | 10.1111/j.1365-2702.2005.01494.x
Nach medizinwissenschaftlichen Standards erstellt und geprüft. [Hinweise]
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